biosphere - noosphäre - nekrosphäre; entropie und die "heiligkeit" des lebens,
das opfer 1

1.) rené descartes, megaponera analis und polistes fuscatus


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"(ego) cogito, ergo sum" postuliert rené descartes 1637. 1) "ich denke, also bin ich" - mit diesem diktum öffnet descartes die tür einen spalt weit hin zum mentalen raum des konstruktivismus.
die radikalität dieses satzes macht ihn zum inspirator und wegbereiter der aufklärung.
indem descartes dem menschen selbstbewußtsein und geist zuerkennt schließt er gleichzeitig ebendiesen bei tieren aus und stellt das menschliche denken an die spitze der aller existenz.
descartes bezeichnet tiere als geistlose automaten. diesen sei denken und empfinden nicht gegeben - schließlich mangele ihnen es an einer sprache und dem vermögen sinnvolle zeichen hervor zu bringen. 2)
descartes vermag es somit einerseits eine reform zu initiieren, anderenseits aber bedient er den herrschenden glaubensatz vom menschen als krone der schöpfung; somit bewegt er sich streng in der engen tradition der jüdisch-christlichen genesis (3) des aristotelischen humanismus 4). und der lehren der kirchenväter von augustinus bis hin zu thomas von aquin.
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seit der zeit der aufklärung treten rationalismus und humanismus immer mehr an die stelle der religiösen dogmen. insbesondere der humanismus stellt den menschen an gottes statt ins zentrum des daseins und bestimmt ihn zum maß aller dinge.
so scheint es nur logisch, die noosphäre zur emergenz menschlichen geistes zu erklären. die grenze zwischen ihr und der biosphäre wäre somit klar und eindeutig, wie mit dem messer gezogen: hier geist und bewußtsein, dort unbewußtes getriebensein.
somit wird die natur zur frei "verfügbaren masse" erklärt, frei verfügbar im rahmen der ständig wachsenden und sich perfektionierenden handwerklichen und intellektuellen menschlichen fähigkeiten.
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pierre teilhard de chardin sieht die noosphäre teleologisch determiniert. der bekennende katholik sieht diese erst im PUNKT OMEGA - dem absoluten aufgehen der menschheit in jesus vollkommen entfaltet. als jesuit und wissenschaftler versucht er das kirchliche dogma mit dem konzept der evolution in übereistimmung zu bringen (und riskiert seine exkommunikation).
der sowjetische naturwissenschftler wladimir iwanowitsch wernadskij ist dem humanismus verpflichtet.
er definiert die noospäre, ganz im sinne einer sich entwickelnden kybernetik, als den teil der biosphäre der durch das menschliche bewusstsein umgebaut und gesteuert wird.
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genau hier setzt eine notwendige kritik an diesen herkömmlichen konzepten an: die noosphäre konsequent als gesamtheit aller kognitiven prozesse innerhalb der biosphäre zu begreifen würde uns somit ermöglichen, anthropozentrische und religiöse vorurteile zu ignorieren. als ein resultat biotischer prozesse ist das bewußtsein eine emergenz der biophäre und somit von dieser kaum zu trennen.
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zu dessen veranschaulichung sollen im folgenden 3 befunde aus der forschung zur insekten-neuroethologie vorgestellt werden.
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1)und2) DESCARTES, RENÉ, DISCOURS DE LA METHODE 1637 erstmals anonym in LEIDEN veröffentlicht 3) DAS BUCH GENESIS KAPITEL1/28/29 4) ARISTOTELES POLITIK 1 1256b, b. brühning quelltexte zur tierethik

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